Wer „A“ sagt…

Als wilde Amazonenhorde sind wir ja eigentlich dem „GroMi“ („Grob-Mittelalter“) zuzuordnen. Grob nicht etwa weil wir wenig sanft im Umgang mit unserer Beute – ganz gleich ob für den Grill oder für die Bettstatt 😉 – sind, sondern vor allem deshalb, weil unsere Darstellung im historischen Kontext eher „grob“ ist. Mal abgesehen davon, dass sich die Gelehrten ja eh seit ewigen Zeiten streiten, wie kriegerisch das frühe Weibsvolk wohl gewesen sein konnte oder durfte, basteln wir seit Jahren was uns gefällt und wo von wir finden, dass wilde Reiterkriegerinnen das getragen haben könnten. „A“ hieß bei uns bis dato immer „a-mazonig“ und „a-benteuerlustig“ oder „a-mbientige A-bende am Lagerfeuer“, aber nicht unbedingt „a-uthentisch“, und „belegt“ sind bei uns vor allem die Frühstücksbrötchen.

Damit hatten wir auch viele Jahre unseren Spaß, doch nun ist es an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Inzwischen lagern und reiten wir weniger auf kunterbunten Spektakeln sondern haben vor allem die Museumswelt rund um die Turmhügelburg als zweites zu Hause für uns entdeckt. Doch „GroMi“ ist für gelebte Geschichte ja ein bisschen unkonkret und so machen die Bow Rider sich nun auf die Suche nach dem großen A – zumindest was das A-ussehen angeht.

„A“ ist offenbar die Kurzform von „A-aaaaaaaaarrrrrrrgh!“, jedenfalls ist das unser erster Eindruck nach dem die ersten Gespräche mit den Ä-xperten ganz schnell ergeben, dass das einzig ansatzweise Authentische an uns zur Zeit unsere Haut ist und das „zeitlos“ im Reenactment nicht wirklich ein Kompliment ist. Als wäre die Aussicht den Winter mit fröhlicher A-usstattungserneuerung zu verbringen nicht hart genug, heißt es nun also auch noch, eine Zeit zu finden, mit deren Mode sich alle anfreunden können, denn auch Amazonen sind ja doch irgendwo im Herzen immer noch Mädchen…

Die Burg gehört ins Hochmittelalter (HoMi) erklärt man uns und ein kurzer Blick auf die HoMi-Mode macht schnell deutlich, dass das mit unserem bisherigen Amazonen-Dasein mal so gar nichts gemeinsam hat und allen Klimatisierungs-Anpreisungen zum Trotz hält sich unsere Begeisterung für Sommertage in Ganzkörper-Wollgewändern auch sehr in Grenzen.  Und  zum auf dem Boden rumlümmeln, was ja nun einmal gute Bow Rider Tradition ist, erscheinen die Sachen auch nur sehr bedingt geeignet. Ein Blick auf die die Burg umlagernden Wikinger lässt vermuten dass wir im FrühMi – der geneigte Leser wird bis hier hin sicher das Abkürzungsprozedere durchschaut haben – eher heimisch sein könnten und so kommen wir schließlich zu dem Schluss, dass wenn wir im Namen des Burggrafen mit den Schildknappen antreten, wir für ein halbes Stündchen zu braven Woll-HoMis werden, im Lager aber weiter fröhlich barbarischen Sitten frönen können.

Wer jetzt glaubt, damit hätten wir einen wunderbar einfachen Weg für uns gefunden, den laden wir bei Bedarf gern einmal zu unseren fröhlichen 5-stündigen Vortrag zum Thema „Unbändige Freude am Studium der 1001 widersprüchlichen Quellen zur Belegbarkeit frühmittelalterlicher Gewandung anhand kläglicher Überbleibsel“ und dem Folgevortrag „Das Mittealter war total bunt – aber die Farbe gab’s so nicht. Und die auch nicht. Und die auch nicht. Und die…“ ein 😉

Aber wir wären ja keine Amazonen, würden wir uns dem Kampf nicht stellen…